Das Recht auf „Vergessenwerden“ ist dem Recht auf Löschung nicht ganz identisch: Das Recht auf „Vergessenwerden“ bezieht sich nur auf Ergebnisse in Suchmaschinen. Sie haben ein Recht darauf, bestimmte Ergebnisse, die bei der Suche Ihres Namens erscheinen, löschen zu lassen.
Das Recht auf „Vergessenwerden“ beruht im Grundsatz auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 (EuGH C-131/12 Google Spain). Demnach können Sie von einem Suchmaschinenbetreiber unter bestimmten Umständen verlangen, dass bei Eingabe Ihres Namens Suchergebnisse oder Links nicht mehr angezeigt werden. Verlangen Sie die Löschung bestimmter Suchergebnisse, muss der Suchmaschinenbetreiber dieses Recht auf „Vergessenwerden“ mit dem Informationsinteresse der Allgemeinheit und seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen abwägen und in Einklang bringen. Ob Sie Ihr Recht auf „Vergessenwerden“ tatsächlich geltend machen können, wird im Einzelfall abgewogen.
Die Ärztin Leyla sucht im Internet nach ihrem Namen. Dabei findet sie Suchergebnisse zu einem jahrzehntealten Online-Bericht über eine längst vergangene Jugendsünde von ihr. Da dieses Ergebnis ihren Ruf als Ärztin ruiniert, verlangt sie vom Suchmaschinenbetreiber, dass das Suchergebnis nicht mehr angezeigt wird. In diesem Fall wird das Interesse von Leyla an der Geheimhaltung gegenüber dem Informationsinteresse der Allgemeinheit überwiegen. Wäre Leyla allerdings eine Person des öffentlichen Interesses, die sich rühmt, nie eine Jugendsünde begangen zu haben, würde wohl anders entschieden werden.
Um dem Recht auf „Vergessenwerden“ mehr Geltung zu verschaffen, sieht die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) weiterführende Informationspflichten für die oder den Verantwortlichen vor. Demnach müssen Suchmaschinenbetreiber all jene informieren, die von einer Löschung ebenfalls betroffen sind. Dazu zählt zum Beispiel die Person, die die Webseite, auf der das Ergebnis zu finden ist, betreibt.
Bei der Löschung von Leylas Suchergebnis zu ihrer Jugendsünde hat der Suchmaschinenbetreiber nach Möglichkeit den Herausgeber des Online-Berichts oder den betreffenden Webseiten-Betreiber darüber zu informieren, dass Leyla die Löschung der personenbezogenen Daten (und somit des Online-Berichts) verlangt hat.
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