Wer muss bei der Veröffentlichung von Kinderfotos zustimmen?

Kinder sind - abhängig vom Reifegrad - ungefähr ab dem 14. Lebensjahr einsichts- und urteilsfähig. Ab dann können sie selbst entscheiden, ob ein Foto von ihnen veröffentlicht werden darf oder nicht. Wenn keine Zustimmung des Kindes vorliegt, muss geprüft werden, ob durch die Veröffentlichung eines Kinderfotos die berechtigten Interessen des abgebildeten Kindes beeinträchtigt werden. Obwohl dies rechtlich nicht unbedingt wirksam ist, wird in der Praxis meist ein Elternteil um Zustimmung für das Kind gebeten.

Das Recht am eigenen Bild wird als ein sogenanntes „höchstpersönliches Recht“ betrachtet. Ein solches Recht kann also nur von einem selbst, und nicht von einer anderen Person wahrgenommen werden. Eine Person kann nicht durch eine andere Person vertreten werden. Hinsichtlich des Rechts am eigenen Bild muss also die abgebildete Person selbst die Zustimmung erteilen, wenn diese notwendig ist. Mit anderen Worten: Eine Zustimmung zur Veröffentlichung von Kinderfotos dar nur das Kind geben; Eltern können die Zustimmung für das Kind nicht erteilen.

Ihr Kind kann aber erst dann wirksam zustimmen, wenn es über die dafür notwendige „Einsichts- und Urteilsfähigkeit“ verfügt. Ihr Kind muss also die Konsequenzen einer solchen Zustimmung verstehen. In den meisten Fällen liegt eine „Einsichts- und Urteilsfähigkeit“ abhängig vom Reifegrad des Kindes - ungefähr ab dem 14. Lebensjahr - vor. Manche Kinder mögen schon vor diesem Lebensjahr die „Einsichts- und Urteilsfähigkeit“ haben, manche erst später. Ab Eintritt dieser „Einsichts- und Urteilsfähigkeit“ reicht es jedenfalls aus, wenn das Kind allein einer Veröffentlichung zustimmt.

Wenn das Kind diesen Reifegrad noch nicht erreicht hat, kommt es darauf an, ob durch die Veröffentlichung eines Kinderfotos die berechtigten Interessen des abgebildeten Kindes verletzt werden. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Bildnisverwendung den berechtigten Interessen des Kindes widerspricht. Dabei wird auch die Einschätzung der Eltern des Kindes eine Rolle spielen, die die Situation des Kindes üblicherweise am besten einschätzen können. Daher sollten die Eltern gefragt werden, auch wenn Sie für da Kind rechtlich keine Einwilligung erteilen können.

Obwohl Eltern die Zustimmung ihres Kindes rechtlich nicht ersetzen können, werden dennoch in der Praxis meist nur die Eltern gefragt, ob ein Foto des Kindes veröffentlicht werden darf. Es ist allerdings zweifelhaft, ob eine solche Zustimmung der Eltern für das Kind im Streitfall wirksam wäre. Eine Sache ist allerdings unumstritten: Sollen für das Kind nachteilige Fotos veröffentlicht werden, können Eltern in keinem Fall eine wirksame Zustimmung geben (15 Os 176/15v).

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Gefördert im Rahmen des AK Zukunftsprogramms

Das Projekt "Mein Bild im Netz" ist im Rahmen des Zukunftsprogramms der Arbeiterkammern ermöglicht und aus Mitteln des Digitalisierungsfonds der Arbeiterkammern gefördert worden.

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